Fairer Handel im Unterricht

Der faire Handel als Unterrichtsthema - etwa mit der Unterrichtseinheit Klima. Bild: Jakub Kaliszewski

Der faire Handel lässt sich als Thema des Globalen Lernens fest im Unterricht verankern. Er bietet gute Anknüpfungspunkte für die Entwicklung von Lehrplänen und schulischen Curricula.

In vielen Fairtrade-Schools ist der faire Handel ein fester Bestandteil in verschiedenen Lehrplänen und wird in Abschlussprüfungen als Thema herangezogen. Zudem fördert er die wesentlichen Kompetenzbereiche Erkennen – Bewerten – Handeln. So beschaffen sich die Schülerinnen und Schüler Informationen und verarbeiten diese im Schulteam. Die soziokulturelle Vielfalt der Welt wird erkannt und globale Zusammenhänge analysiert. Ein Perspektivenwechsel tritt ein verbunden mit einer kritischen Reflexion des konventionellen Handels. Der faire Handel bietet durch seine Präsenz im Alltag konkrete Handlungsmöglichkeiten, den eigenen Konsum nachhaltig zu gestalten. Im Rahmen der Fairtrade-Schools-Kampagne erhalten die Schülerinnen und Schüler Aktionsideen und -materialien an die Hand, um aktiv zu werden und sich im schulischen als auch im privaten Umfeld für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen. 

1. Der Faire Handel in verschiedenen Fächern

Der faire Handel lässt sich in einem breiten Spektrum an Fächern unterrichten. Mehr und mehr beschäftigen sich die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) mit Themen des Globalen Lernens. So gibt es Tendenzen, dass nicht nur in den traditionellen Fächern über den fairen Handel gesprochen wird. Folgend findet ihr ein paar Anregungen:

Mathematik

Jedes Jahr werden mehrere Statistiken zum fairen Handel veröffentlicht. Zum Beispiel finden sich im Jahresbericht von TransFair Zahlen zur Umsatz- und Absatzentwicklung einzelner Produkte sowie zur Entwicklung der Fairtrade-Prämie, die weltweit an Fairtrade-Produzent*innen ausgezahlt wird. Mehrere produktspezifische Factsheets gehen ins Detail. Zahlen und Fakten gibt es auch in den Unterrichtsmaterialien von TransFair, zum Beispiel zur Zusammensetzung des Preises einer Fairtrade-Schokolade. Alle Materialien findet ihr in der Mediathek. Eine weitere Idee wäre eine Umfrage an eurer Schule oder Schulumfeld zum Konsum und Wissen zum fairen Handel. Die Ergebnisse können anhand von Grafiken visualisiert werden. 

Naturwissenschaftliche Fächer

Unter dem ökologischen Fußabdruck wird die Fläche auf der Erde verstanden, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter den heutigen Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen. Welchen Einfluss haben meine Lebensgewohnheiten auf meinen persönlichen ökologischen Fußabdruck? Was kann ich tun, um meinen Abdruck zu verkleinern?  Diese Fragen können im Fach Naturwissenschaften behandelt werden. Die Art des Konsums und der  Ernährung sind neben dem Energieverbrauch, der Mobilität und weiterer Themen wesentliche Bereiche, die den ökologischen Fußabdruck beeinflussen. Zusätzlich findet ihr online Informationen zum Klimastandard von Fairtrade, der Produzentinnen und Produzenten dabei unterstützt, CO₂-Emissionen zu reduzieren, z.B. durch den Einsatz erneuerbarer Energien. Der Vergleich verschiedener Energieformen kann auch gut in den Physikunterricht eingebunden werden.
Im Chemieunterricht können Kaffeebohnen geröstet und die chemischen Reaktionen besprochen werden. Anschließend können sich die Schülerinnen und Schüler mit der Weiterverarbeitung der Kaffeebohnen über die Röstung bis hin zum Verkauf auf dem deutschen Markt beschäftigen.  
Anhand des Bananenanbaus kann der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft thematisiert werden, denn Bananen sind "Pestizid-Weltmeister": In der Bananenindustrie werden Pestizide großzügig und unkontrolliert eingesetzt. Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln birgt große Risiken für Mensch und Natur, wie zum Beispiel gesundheitliche Schäden oder Verlust der Biodiversität. Im September 2018 beschäftigte sich der „Banana Fairday“ von TransFair u.a. mit dem Thema Pestizide und dem Anbau von Bananen. Unter Fairtrade-Bedingungen gibt es eine grundlegende und in den Standards verankerte Verpflichtung, den Pestizideinsatz auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Außerdem fördert Fairtrade durch die Zahlung eines Bio-Zuschlags proaktiv die Umstellung von konventionellem Anbau auf Bio-Anbau. So lässt sich auch vielfältig im Biologieunterricht über den fairen Handel sprechen.

Traditionelle Fächer

Die meisten Schulen decken den fairen Handel im Unterricht weiterhin über die traditionellen Fächer des Globalen Lernens ab, wie Deutsch, Geographie, Politik, Geschichte und Religion/Ethik. Hier gibt es vielfältige Anknüpfungspunkte, u.a.:

  • Politik
  • Produktion, Handel und Konsum
  • Kinderrechte
  • Sustainable Development Goals (SDGs), BNE-Weltaktionsprogramm
  • Geographie
  • Vielfalt der Kulturen und Lebensverhältnisse
  • Länderkunde, Klimazonen
  • Landwirtschaft und Ernährung
  • Geschichte
  • Globalisierung und Kolonialismus
  • Waren aus aller Welt
  • Globale Umwelt- und Klimaveränderungen  

2. Fair Lessons – Unterricht selbst gemacht

Warum nicht selbst den fairen Handel in den Unterricht bringen? Euch wird noch zu wenig im Unterricht über den fairen Handel gesprochen? Dann gestaltet eure eigenen Fair Lesson. Das Erzbischöfliche Suitbertus Gymnasium Düsseldorf macht es seit 2012 vor: Dort gehen Schülerinnen und Schüler aus dem Fairtrade-Schulteam in jüngere Klassen und stellen den fairen Handel vor. Es gibt im Schulalltag immer wieder Freistunden, die gefüllt werden können. Oder ihr sprecht eure Lehrinnen und Lehrer direkt an und fragt, ob ihr in einer der nächsten Unterrichtsstunden übernehmen könnt.

Viele weitere Beispiele zum fairen Handel im Unterricht findet ihr im
Fairtrade-Schools-Blog
unter Kriterium 4.

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